F43.2: Anpassungsstörungen
Endständiger Kode der ICD-10-GM 2026
Amtlicher Text der ICD-10-GM 2026
Beschreibung
Hierbei handelt es sich um Zustände von subjektiver Bedrängnis und emotionaler Beeinträchtigung, die im Allgemeinen soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen auftreten. Die Belastung kann das soziale Netz des Betroffenen beschädigt haben (wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnissen) oder das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht). Sie kann auch in einem größeren Entwicklungsschritt oder einer Krise bestehen (wie Schulbesuch, Elternschaft, Misserfolg, Erreichen eines ersehnten Zieles und Ruhestand). Die individuelle Prädisposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine bedeutsame Rolle; es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre. Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst oder Sorge (oder eine Mischung von diesen). Außerdem kann ein Gefühl bestehen, mit den alltäglichen Gegebenheiten nicht zurechtzukommen, diese nicht vorausplanen oder fortsetzen zu können. Störungen des Sozialverhaltens können insbesondere bei Jugendlichen ein zusätzliches Symptom sein. Hervorstechendes Merkmal kann eine kurze oder längere depressive Reaktion oder eine Störung anderer Gefühle und des Sozialverhaltens sein.
Inklusive
- Hospitalismus bei Kindern
- Kulturschock
- Trauerreaktion
Exklusive
- Trennungsangst in der Kindheit (F93.0)
Bei F43, Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen (gilt für alle Kodes darunter)
Beschreibung
- Die Störungen dieses Abschnittes unterscheiden sich von den übrigen nicht nur aufgrund der Symptomatologie und des Verlaufs, sondern auch durch die Angabe von ein oder zwei ursächlichen Faktoren: ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft. Obwohl weniger schwere psychosoziale Belastungen ("life events") den Beginn und das Erscheinungsbild auch zahlreicher anderer Störungen dieses Kapitels auslösen und beeinflussen können, ist ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar. In jedem Fall hängt sie zusammen mit der individuellen, häufig idiosynkratischen Vulnerabilität, das heißt, die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Im Gegensatz dazu entstehen die hier aufgeführten Störungen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung oder des kontinuierlichen Traumas. Das belastende Ereignis oder die andauernden, unangenehmen Umstände sind primäre und ausschlaggebende Kausalfaktoren, und die Störung wäre ohne ihre Einwirkung nicht entstanden. Die Störungen dieses Abschnittes können insofern als Anpassungsstörungen bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.
Was F43.2 umfasst
Erläuterungen von CloudMedico, nicht Teil der ICD-10-GM
F43.2 steht für Anpassungsstörungen: seelische Belastung und emotionale Beeinträchtigung, die nach einer einschneidenden Lebensveränderung oder einem belastenden Ereignis entstehen, etwa nach Trennung, Trauerfall, Emigration oder Ruhestand. Die ICD-10-GM nennt ausdrücklich auch Trauerreaktion und Kulturschock. Der Kode begegnet in Hausarztpraxen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Praxen.
Abgegrenzt wird F43.2 vor allem gegen die akute Belastungsreaktion F43.0, die meist innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt, und gegen die posttraumatische Belastungsstörung F43.1 nach einem außergewöhnlich bedrohlichen Ereignis. Die depressive Episode F32 schließt Anpassungsstörungen ihrerseits aus. Trennungsangst in der Kindheit ist bei F43.2 ausgeschlossen und gehört zu F93.0.
Hinweise zur Kodierung
F43.2 ist in der ICD-10-GM 2026 endständig und kann direkt kodiert werden; eine fünfte Stelle gibt es nicht. In der vertragsärztlichen Versorgung braucht die Diagnose ein Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit, also G (gesichert), V (Verdacht), Z (symptomloser Zustand nach) oder A (ausgeschlossen).
Eine häufige Verwechslung ist F43.2 statt einer depressiven Episode oder umgekehrt: Die ICD-10-GM schließt Anpassungsstörungen bei F32 ausdrücklich aus, beide Kodes für dasselbe Beschwerdebild passen also nicht zusammen. Wird die Belastungsreaktion nicht näher beschrieben, steht F43.9 zur Verfügung; F43.8 ist für sonstige näher bezeichnete Reaktionen gedacht.
Verwandte Kodes unter F43
Fragen zu F43.2
Was bedeutet die Diagnose F43.2?
F43.2 ist der ICD-10-GM-Kode für Anpassungsstörungen. Gemeint sind Zustände seelischer Belastung, die nach einer wichtigen Lebensveränderung oder einem belastenden Ereignis auftreten und den Alltag beeinträchtigen. Die Klassifikation geht davon aus, dass die Störung ohne diese Belastung nicht entstanden wäre.
Was ist der Unterschied zwischen F43.2 und F43.1?
F43.1, die posttraumatische Belastungsstörung, folgt auf ein Ereignis von außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, oft mit Wochen bis Monaten Verzögerung. F43.2 beschreibt dagegen die Reaktion auf eine einschneidende, aber nicht notwendigerweise traumatische Lebensveränderung wie Trennung, Trauer oder Ruhestand.